Halloween im September

von Thorsten Cöhring am 10. September 2017

Traditionell verabschiedet mich meine Frau an Spieltagen mit dem Zuruf „Viel Spaß!“. Üblicherweise antworte ich mit einem kurzen „Danke!“. Gestern aber blieb ich in der Tür stehen, drehte mich um und sagte: „Gegen Frankfurt, Augsburg und Ingolstadt hat man keinen Spaß!“. Ja, so ist das gewöhnlich. Aber gestern war alles noch viel schlimmer. Nicht nur, dass ich keinen Spaß hatte. Es war ein Horror-Nachmittag. Grusel de luxe. Vorgezogener Halloween im September.

Es wäre alles viel einfacher, wenn ich sagen könnte: Wir haben gegen eine großartige Mannschaft verloren, die sicher um die Champions-League-Plätze mitspielen wird. Aber so war es leider nicht. Eintracht Frankfurt lieferte eine biedere Vorstellung ab. Konzentriert, aber in jeder Beziehung limitiert. Die Gäste mussten auch nichts tun. Sie bekamen eine Handvoll Großchancen auf dem Silbertablett serviert. Zweimal verhinderte eine knappe Abseitsposition einen Treffer für die Gäste, einmal traf Boateng (13.), der den Ball maßgerecht von unserer oft ziemlich konfusen Abwehr aufgelegt bekam. Dieses Tor genügte, um später von einem hochverdienten Frankfurter Sieg sprechen zu können.

Was sagt das über Borussia Mönchengladbach aus? Im Prinzip alles.

Die Fohlenelf trat auf, als wolle sie der Welt beweisen, dass sie in der Saison 2017/18 zu den ganz heißen Abstiegskandidaten gehört. Klar, du kannst gegen Frankfurt nicht „spielen“. Das Konzept der Hessen ist auf Zerstörung und Provokation ausgelegt. Sie gewinnen Zweikämpfe und wälzen sich mit Vorliebe auf dem Rasen. Aber auch gegen solch eine Truppe musst du ein Mittel finden. Und das heißt Einstellung. Notfalls musst du sie mit dem puren Siegeswillen bezwingen.

Das alles weißt du vorher. Wenn du aber dann, wie gestern Borussia Mönchengladbach, ohne jeden Biss und ohne jede Überzeugung in eine solche Partie gehst, dann hast du schon vorher verloren. Belangloser Larifari-Fußball von der ersten bis zur letzten Minute. Das hatte mit Bundesligafußball nichts zu tun. Gar nichts. Oft ist es so, dass wir Spiele wegen unserer chronischen Abschlussschwäche verlieren. Aber momentan spielen wir uns nicht einmal mehr Torchancen heraus. Und das bedeutet: Alarmstufe Rot!

An den beiden kommenden Samstagen müssen wir nach Leipzig und Dortmund. Dort wird es nach menschlichem Ermessen für uns nichts zu holen geben. Zwischendurch ist das Heimspiel gegen Stuttgart, Ende des Monats kommt Hannover. Zwei Aufsteiger mit beachtlicher Qualität. Ich bin wirklich gespannt, auf welchem Tabellenplatz wir in der zweiten Länderspielpause, nach sieben Spieltagen, zu finden sind. Allen, die Borussia maßlos überschätzen, droht ein ganz böses Erwachen.

  • Herbchen

    Lieber Herr Hecking. Nur eine Frage. Warum nimmt man Zakaria heraus, der mit Kramer derjenige war, der dagegen halten konnte und ersetzt ihn durch Hofmann? Jonas Hofmann!

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