Oberwasser an der Weser

von Thorsten Cöhring am 16. Oktober 2017

Manchmal hast du als Fußballmannschaft das Glück auf einen Gegner zu treffen, der komplett neben sich steht und von allen guten Geistern verlassen ist. Dieses Glück hatten wir gestern bei unserem Gastspiel in Bremen.

Werder war schwach. So schwach, wie ich die Norddeutschen selten in einem Heimspiel gegen uns gesehen habe. Vielleicht bei unserem legendären 1:7-Sieg. Aber das ist schon 30 Jahre her. Die Bremer Mannschaft wirkte über weite Strecken wie paralysiert. Ungefähr so wie wir bei unserem verheerenden Saisonstart vor zwei Jahren, der schließlich zur Flucht von Lucien Favre führte.

Borussia nutzte die Gunst der Stunde zu einem konzentriert und konsequent herausgespielten 0:2-Sieg, der bereits zur Pause feststand. Beide Tore entsprangen sehenswerten Einzelaktionen. Besonders das Führungstor durch Stindl in der 27. Minute. Nach einer glänzenden Rettungstat von Keeper Pavlenka gegen Hazard schien die Situation schon geklärt. Doch dann setzte “Capitano” zu ganz großem Kino an. Nach einer artistischen Körpertäuschung, gepaart mit höchst filigraner Ballbehandlung und einem ebensolchem Abschluss aus spitzem Winkel, sorgte er für das wichtige 0:1. Eines der schönsten Tore, das ich in den vergangenen Jahren gesehen habe. Sieben Minuten wuchtete Vestergaard die Kugel per Kopf nach einem Wendt-Eckball unhaltbar zum 0:2 ins Netz. Ja, tatsächlich, ein richtiges Kopfballtor! I werd’ narrisch!

Während Werder vorher und danach weitgehend orientierungslos vor sich hin taumelte, hätten wir das Match auch 0:6 gewinnen können. Aber mit der uns eigenen Fahrlässigkeit blieben selbst beste Chancen und Kontersituationen ungenutzt. Und schließlich kam auch noch Pech hinzu, als nämlich Stindls wunderschöner Kopfball gegen den Pfosten klatschte (84.). Von einer besseren Mannschaft wäre die Fohlenelf an diesem Tag für ihre Abschlussschwäche wahrscheinlich bitter bestraft worden.

Mit dem Hinweis auf Bremens Defizite will ich unseren ersten Auswärtssieg dieser Saison nicht klein reden. Es war unser bislang bestes Saisonspiel. Hoffnung macht vor allem, dass wir endlich einmal viele Torchancen herausgespielt haben. Das war ja bisher eher selten Fall, vor allem in den sehr mühsamen Heimspielen. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass wir am Samstag gegen Leverkusen nachlegen können. Dann könnte die gesamte Saison vielleicht doch einen positiveren Verlauf nehmen als ich bislang befürchtet habe. Doch mit solcherlei Hoffnungen halte ich mich vorerst lieber zurück. Bisher haben wir sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Das ist noch nicht sehr beruhigend.

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