Selbst Niederlagen können Spaß machen

von Thorsten Cöhring am 21. Dezember 2017

Manch einer mag ja noch davon träumen, dass Borussia Mönchengladbach irgendwann mal wieder einen Titel holen wird. Diesen Traum habe ich für mich nach dem Halbfinale vor einem Dreivierteljahr gegen Frankfurt begraben, als wir gefühlt nur einen Wimpernschlag vom Finale entfernt waren.

Der DFB-Pokal ist mittlerweile der einzige Wettbewerb, in dem Borussia den Titel holen KANN. Zumindest theoretisch. Aber wir lieben diesen Wettbewerb nicht. Weder Borussia noch ich. Rein statistisch gesehen, erreichen wir im DFB-Pokal alle elf Jahre das Finale und gewinnen den Wettbewerb alle 18 Jahre; wobei Statistiken leider oft “lügen”, denn unser letzter Titelgewinn liegt schon 23 Jahre zurück. Selbst von den letzten fünf Heimspielen im Pokal haben wir nur eines gewonnen – gegen einen Zweitligisten. Ich habe mir also im Laufe der Jahre einen Schuss Fatalismus zugelegt: Mir ist völlig schnurzpiepegal, ob wir in der ersten Runde rausfliegen, im Achtelfinale oder im Halbfinale.

Das nur zur Erklärung, weshalb mich die gestrige 0:1-Heimniederlage gegen Leverkusen ergebnistechnisch absolut kalt lässt.

Warm ums Herz wurde mir dagegen beim Anblick meiner Fohlenelf. Was für ein Abend. Acht Spieler in der Startelf 26 Jahre oder jünger, davon vier 21 Jahre oder jünger. Durchschnittsalter der Startelf: 24,3 Jahre. Ehrlich: Diese junge Mannschaft hat mir Spaß gemacht. Wirklich großen Spaß. Sie war mutig und leidenschaftlich. Und sie hat zeitweise sehr guten Fußball gespielt. Wirklich ein tolles Spiel! Mehr kannst du nicht erwarten. Ich kann nur hoffen, dass sich Zakaria (21), Oxford (19) und vor allem Cuisance (18) so weiterentwickeln.

Wenn es trotzdem nicht zum Sieg reicht, dann ist das ein Indiz dafür, dass am Ende des Tages die Qualität des Gegners größer ist. Vielleicht auch nur die individuelle, nicht die kollektive Qualität. Diese schmerzliche Erfahrung haben wir ja in den vergangenen Jahren auch schon im Europapokal gemacht. In entscheidenden Momenten, wirklich ENTSCHEIDENDEN Momenten, fehlt uns einfach die offensive Durchschlagskraft.

Aber jetzt ist nicht die Zeit für Kritik. Vergessen wir den Pokal. Freuen wir uns über 28 Punkte in der Bundesliga und hoffen wir, dass die Fohlen zum Rückrundenstart nicht den gestrauchelten Geißböcken wieder auf die Beine helfen.

Ich wünsche allen Borussinnen und Borussen Frohe Weihnachten, einen Guten Rutsch und ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Jahr 2018!

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