Es geht weiter bergab

von Thorsten Cöhring am 11. März 2018

Nach der erwarteten Niederlage in Leverkusen (0:2), der dritten Pleite gegen die Werkself in dieser Saison, schlägt sich die rasante Talfahrt von Borussia Mönchengladbach langsam aber sicher auch tabellarisch nieder.

Vor acht Monaten, kurz vor Saisonbeginn, habe ich hier im Fohlenblog folgenden Absatz geschrieben:

“Viele Borussen in meinem Freundeskreis erwarten, dass wir in der kommenden Spielzeit wieder um die Europapokal-Plätze mitspielen werden. Ich prognostiziere, dass wir gegen den Abstieg spielen werden. Und es wird für uns diesmal eine ganz enge Kiste.”

In dieser Saison wird der Kelch an uns vorüber gehen. Und zwar dank einer herausragend guten Hinrunde. Vielleicht wird dem einen oder anderen allmählich klar, weshalb ich die 28 Punkte zum Jahreswechsel als großen Erfolg gefeiert habe. Acht Spieltage vor Schluss hat Borussia zehn Punkte Vorsprung auf die beiden Teams auf dem Relegationsplatz (Wolfsburg und Mainz). Mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit reichen unsere 35 Punkte bereits heute zum Klassenerhalt. Mit 38 Punkten bist du zu 99 Prozent sicher. Das ist schon mal gut und lässt mich gegenwärtig ruhig schlafen.

Ich habe hier in den vergangenen eineinhalb Jahren viel über die Defizite bei Borussia geschrieben, die teilweise sehr offensichtlich waren und sind. Sie wurden von den sportlich Verantwortlichen kontinuierlich ignoriert oder sogar geleugnet. Was wir heute sehen, ist das unvermeidliche Ergebnis dieser Entwicklung. Ich werde meine Sicht der Dinge am Ende der Saison noch einmal ausführlich darstellen.

Ich sage es zum x-ten Mal: Wenn wir nicht schleunigst gegensteuern, können wir zum 1. FC Köln der Saison 2018/19 werden. Und das, verdammt nochmal, will ich nicht erleben. Wir haben 2016/17 eine abstiegsreife Hinrunde gespielt und spielen 2017/18 eine abstiegsreife Rückrunde. Wer als sportlich Verantwortlicher die Alarmsirenen immer noch nicht hört, der sollte schleunigst seinen Stuhl räumen.

Aus Trainerdiskussionen halte ich mich zwar traditionell meistens raus, aber inzwischen muss auch diese Position auf den Prüfstand. Gestern in Leverkusen habe ich, wie vor Wochen in Stuttgart, eine Mönchengladbacher Mannschaft gesehen, die über weite Strecken eher an die Weisweiler-Traditionself als an die Bundesliga-Profimannschaft erinnerte. Mir fehlen tatsächlich die Worte, um das zu beschreiben.

Über die besondere Mönchengladbacher Art des “Ballbesitzfußballs” (Ballbesitz mit pausenlosen Ballverlusten im Spielaufbau) lacht sich inzwischen die ganze Liga schlapp. Wer als Trainer nicht erkennt, dass mit diesem Spielerkader kein “Ballbesitzfußball” gespielt werden kann, der ist schlichtweg mit Blindheit geschlagen. Selbst als wir vor Jahren mit Reus, Arango, Xhaka und Stranzl noch dominante Spielerpersönlichkeiten hatten, war unser Erfolgsrezept immer das blitzartige Umschaltspiel nach Balleroberung. Mit anderen Worten: Konterfußball. Inzwischen werden wir selbst nach Belieben ausgekontert. Bitter.

Inzwischen spielen wir nur noch alibimäßig hinten herum, ohne jeden Zug zum Tor, sekündlich in der Erwartung des nächsten Ballverlustes. Diese ehrgeizlose Behäbigkeit treibt dich als Zuschauer und Fan so langsam in den Wahnsinn.

Es wäre schön, wenn wir am Samstag gegen Hoffenheim den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen könnten. Dann werden wir sehen, was nach der letzten Länderspielpause dieser Saison nöch möglich ist.