Platz 7 ist das höchste der Gefühle

von Thorsten Cöhring am 4. März 2018

Vier Punkte innerhalb von einer Woche haben uns von den gröbsten Sorgen befreit. Ab jetzt gilt: BIS zum nächsten Sieg kämpfen wir um den Klassenerhalt, NACH dem nächsten Sieg kämpfen wir um Platz 7. So lautet mittlerweile die Bundesliga-Arithmetik.

Der 1:0-Sieg in Hannover durch Kramers Sonntagsschuss war eine echte Erlösung. Ich weiß nicht, wie viele Torchancen wir seit Rückrundenbeginn vergeben haben. Und ich will es auch gar nicht wissen. Unser Angriffsproblem ist inzwischen so offensichtlich, dass es selbst System-Hardliner nicht mehr verleugnen können. Ich wünschte, ich könnte mir vorstellen, dass wir es im Sommer lösen…

Viele fanden das 2:2 am Freitag gegen Bremen “enttäuschend”. Ich nicht. Aus meiner Sicht war es ein Punktgewinn, denn Werder ist um keinen Deut schlechter als wir. Okay, wir führten 2:0, nach zwei sehenswerten Einzelleistungen von Zakaria, dem besten Spieler auf dem Platz. Das 1:0 erzielte er unter gütiger Mithilfe der Bremer Abwehr selbst (5.), das 2:0 durch Moisanders Eigentor bereitete er mustergültig vor (39.). Leider musste der junge Schweizer in der Halbzeit durch Auswechslung vor einem Platzverweis bewahrt werden.

Wir hatten danach Chancen zur Entscheidung, aber … siehe oben. Und dass der Videobeweis (Handspiel von Eggestein nach Hofmann-Kopfball) zu Ungunsten von Borussia angewandt wurde, ist ja mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. In ähnlichen Situationen in unserem Strafraum wurde bisher stets auf Elfmeter entschieden. Zum Beispiel vor einem Jahr in der Europa League gegen Schalke. Oder vor Jahren in einer Szene mit Arango in Leverkusen.

Unzweifelhaft kam Bremen dank seines engagierten Auftritts in der zweiten Halbzeit verdient zum Ausgleich durch Delaney (59.) und Johannsson (78.). Hätte das Spiel noch 10 Minuten länger gedauert, hätten wir vermutlich verloren. Also ist das Remis letztlich ein Punktgewinn.

Wir haben jetzt 35 Punkte auf dem Konto und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir den einen noch notwendigen Sieg in den restlichen neun Saisonspielen nicht einfahren könnten. Falls wir es schaffen, heißt das neue Ziel: 7. Platz. Nach Lage der Dinge wird der auch in dieser Saison mit höchster Wahrscheinlichkeit reichen, um sich für die Europa-League-Playoffs zu qualifizieren.

Wer sich nicht selbst in die Tasche lügt, wird konstatieren müssen: Der 7. Platz ist für Borussia Mönchengladbach 2017/18 das höchste der Gefühle. Das belegt ein Blick auf die aktuelle Bilanz:

    • Borussia-Bilanz gegen die Teams auf den Plätzen 1-6 (nach 9 von 12 Spielen):
      1 Sieg, 2 Unentschieden, 6 Niederlagen = 5 Punkte, 5:20 Tore
      Restprogramm: Leverkusen (A), München (A), Schalke (A)
    • Borussia-Bilanz gegen die Teams auf den Plätzen 7-18 (nach 16 von 22 Spielen):
      9 Siege, 3 Unentschieden, 4 Niederlagen = 30 Punkte, 28:17 Tore
      Restprogramm: Hoffenheim (H), Mainz (A), Hertha (H), Wolfsburg (H), Freiburg (H), Hamburg (A)

Die Tendenz ist deutlich ablesbar: Wir können gegen die Besten der Liga nicht (mehr) mithalten. Obwohl kurioserweise unser einziger Sieg gegen die Top-Mannschaften das 2:1 über Bayern München war. Man kann diese Bilanz als Club-Verantwortlicher für Zufall halten und gar nichts tun. Oder man zieht daraus Schlüsse und steuert in der Vorbereitung der neuen Saison aktiv dagegen.

Wie dem auch sei. Zunächst einmal bin ich gespannt, ob wir am kommenden Wochenende zum dritten Mal in dieser Saison gegen Leverkusen verlieren.

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