Drmic? Drmic!

von Thorsten Cöhring am 6. Mai 2018

Schöner und harmonischer Saisonausklang gestern im Borussia-Park. Bei prächtigem Wetter wurde der CL-Finaleinzug unserer Freunde und Gäste vom FC Liverpool gebührend gefeiert. Und die Fohlenelf beteiligte sich an der allgemeinen Zufriedenheit, Unaufgeregtheit und guten Laune mit einem hübschen 3:1-Sieg über den SC Freiburg.

Ja, hübsch ist das richtige Wort. Es war ein unterhaltsames Spiel. Wir waren zwar nicht unbedingt die bessere Mannschaft, aber wir hatten die besseren Chancen. Freiburg hatte zwar auch welche, aber Yann Sommer hatte, passend zum Ambiente, einen Sahnetag erwischt. Wie überhaupt ich die zwischenzeitliche Kritik der Nordkurve an unserem insgesamt sehr zuverlässigen Keeper in keiner Weise nachvollziehen kann.

Bei Borussia fehlte mit dem verletzten Stindl sowie den gesperrrten Kramer, Zakaria und Vestergaard ein Leistungsträger-Quartett. Deshalb war die originellste Facette des gestrigen Spiels die Tatsache, dass deren vier Vertreter Jantschke, Cuisance, Strobl und Drmic zu den besten Spielern auf dem Platz zählten.

Ein Traum-Steilpass von Strobl führte zum 1:0 durch den in der ersten Halbzeit sehr gut aufgelegten Hazard (18.). Nach dem 2:0 durch Elvedis Kopfball (57.) und dem 2:1 durch Kleindienst (59.), hatte der Borussia-Park in der 64. Minute schließlich eine Art “Erweckungserlebnis”: ein Kopfballtor nach Flanke aus dem Spiel heraus. Gefühlt habe ich das schon seit zehn Jahren im Park nicht mehr gesehen. Und beteiligt waren ausgerechnet zwei Spieler, die man spontan mit einer solchen Angriffskombination nicht unbedingt in Verbindung bringen würde. Flanke Jantschke, Kopfball Drmic. Ein wunderschöner Treffer zum 3:1-Endstand. Passend zum Ambiente.

Das i-Tüpfelchen wäre gewesen, wenn Borussia noch weiter in exotische Gefilde vorgestoßen wäre und ein direktes Freistoßtor (!!) gemacht hätte. Aber leider zirkelte Raffael die Kugel an die Lattenunterkante (68.), nachdem Ginter schon in der ersten Halbzeit per Kopf das Aluminium anvisiert hatte (45.).

Lasst uns mal kurz über Drmic reden. Seit gestern habe ich zum allerersten Mal das Gefühl, dass der Schweizer unser gravierendes Stoßstürmer-Problem lösen könnte. Seit er bei Borussia ist, habe ich ihn nie zuvor so gut und so agil gesehen. Wenn er körperlich topfit ist und zudem Selbstvertrauen hat, ist er wahrlich kein schlechter Fußballer. Gestern profitierte er zudem davon, dass die Mannschaft de facto vom gewohnten 4-4-2 abgewichen ist und stattdessen eher ein 4-2-3-1 spielte. Mit einem auf die “Zehn” zurückgezogenen Raffael und Drmic als zentralem Anspielstürmer und Ballverteiler. Hat mir gut gefallen. Nicht nur deshalb, weil ich diese Variante hier schon seit zwei Jahren vehement fordere.

Aber wer weiß schon, was in diesem komplett irren Fußball-Business im Sommer passiert. Wenn Drmic bei der WM drei Buden macht, wird er uns wahrscheinlich für 80 Millionen Euro weggekauft. Auch damit könnte ich übrigens leben.

So, jetzt noch zum HSV. Und dann ist endlich Pause. Wird auch Zeit.

P.S.
Ich hoffe inständig, dass wir in der kommenden Saison zu Hause wieder komplett in Weiß spielen. Weiß ist die Farbe unserer großen Erfolge. Weiß ist Borussia. Ich kann diese schwarzlastige Trikotkluft nicht mehr sehen. Sie macht mich trübsinnig.