Zufrieden, sehr zufrieden, äußerst zufrieden

von Thorsten Cöhring am 26. August 2018

Ein flüssig herausgespieltes 11:1 in der ersten Pokalrunde gegen den Fünftligisten BSC Hastedt stimmt zufrieden. Ein Saison-Auftaktsieg in der Bundesliga stimmt sehr zufrieden. Und ein Saison-Auftaktsieg über ein absolutes Spitzenteam wie Bayer Leverkusen stimmt äußerst zufrieden.

Dabei begann der Nachmittag im Borussia-Park mit einem typischen “Kneif mich mal, ich glaub ich träume”-Augenblick. Kramer, Zakaria, Cuisance, Herrmann, Plea – alle auf der Ersatzbank. Dazu Stindl, Lang, Elvedi und Traore noch verletzt. Häähhh? Was passiert hier gerade?

In der ersten halben Stunde schien sich mein unangenehmes Grummeln im Magen zu echten Bauchschmerzen auszuwachsen. Zeitweise wurde mir angst und bange. Das lag einerseits daran, dass die Fohlenelf auf dem Platz (Sommer, Beyer, Ginter, Jantschke, Wendt, Strobl, Neuhaus, Hofmann, Hazard, Raffael, Johnson) im 4-3-3 bisweilen ziemlich desorientiert wirkte. Andererseits nutzte Leverkusens bärenstarke Offensive die üppigen Räume, um sich einige erstklassige Chancen herauszuspielen. Bailey traf per Kopf nur die Latte (17.) und den Schuss des völlig freistehenden Volland (33.) blockte Beyer auf der Torlinie mit der Brust.

Erst als Borussia allmählich dazu überging, sich in einem 4-5-1 zu sortieren, mit deutlichen defensiveren Flügelspielern Hazard und Johnson, kam spürbar mehr Struktur ins Spiel. Offensiv ging zwar noch nicht viel, aber immerhin schenkte uns Leverkusen einen Elfmeter. Nach einem Handspiel von Henrichs in Slapstick-Manier schoss Hazard allerdings halbhoch so unplatziert, dass Keeper Özcan mühelos parieren konnte (38.).

Gut, dachten sich die Gäste, dann probieren wir das halt nochmal mit dem Gastgeschenk. In der 55. Minute war der pfiffige Neuhaus deutlich handlungsschneller als Dragovic und der Bayer-Abwehrschrank holte den Bundesligadebütanten von den Beinen. Hofmann machte es besser und schob vom Elfmeterpunkt zum 1:0 ein (55.). Drei Minuten später der Höhepunkt des Tages: Einen doppelten Doppelpass mit Raffael vollendete Johnson zum 2:0 (58.). Inmitten von fünf (!) Abwehrspielern. Ein Tor, wie ein chirurgischer Schnitt mit dem Skalpell. Filigran und perfekt. So ein Tor katapultiert dich als Zuschauer automatisch aus der Sitzschale.

Im mitreißenden offenen Schlagabtausch der letzen halben Stunde boten sich beiden Teams die Chancen zu Treffern. Leverkusen scheiterte jedoch wiederholt am glänzend aufgelegten Sommer, Borussia ging vor dem Tor nicht entschlossen und konzentriert genug zu Werke. So blieb es beim 2:0. Ein großartiges Ergebnis für uns, mit dem ich, ehrlich gesagt, nicht unbedingt gerechnet hatte.

Prächtige Bundesliga-Debüts feierten übrigens Jordan Beyer und Florian Neuhaus. Rechtsverteidiger Beyer ließ dem schnellen Bailey kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Und Neuhaus hat ein Gespür für das Spiel, er antizipiert Situationen. Das kannst du nicht lernen, dieses Gespür hast du, oder du hast es nicht. Deshalb macht er fast immer alles richtig. Fast, denn was ihm natürlich noch fehlt, sind Erfahrung und Routine. Aber es würde mich wundern, wenn der Name Neuhaus nicht schon längst in Jogis Notizbuch stünde.

So, jetzt können wir mal in Ruhe abwarten, was unser Abstecher nach Augsburg bringt. Dort haben wir in sieben gemeinsamen Bundesligajahren noch nie gewonnen. Hoffentlich spucken uns Hinteregger und Hahn nicht wieder in die Suppe…

P.S.

Notiz zur Geschäftsordnung:

Spiele gegen Leverkusen sind kein “rheinisches Derby”. Noch nicht einmal ein “kleines rheinisches Derby”.