Zwischen Frust und Erleichterung

von Thorsten Cöhring am 2. September 2018

Es gibt Dinge im Leben, an die gewöhnt man sich. Zum Beispiel an das jährliche Unentschieden beim FC Augsburg.

1:1 hieß es gestern nach 90 Minuten. Das fünfte Remis in der Fuggerstadt im achten gemeinsamen Bundesligajahr. Gewonnen haben wir dort noch nie. Nur einmal, vor zehn Jahren, aber das war in der 2. Liga.

Die erfreulichste Nachricht des Tages: Borussias Rekord-Einkauf Alassane Plea machte nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit sein erstes Bundesligator. Nach einem von Strobl verlängerten Eckball nickte er per Kopf aus kurzer Distanz zum 1:1 ein (68.). Ja, genau dort muss ein Stürmer stehen! Zuvor hatte es allerdings lange Zeit nicht danach ausgesehen, als könnten wir das frühe 1:0 der Hausherren durch Gregoritsch (12.) noch egalisieren.

Eines ist klar: Mit dem Ergebnis kann ich bestens leben. Aber der Auftritt der Mannschaft war in höchstem Maße ernüchternd. Vor allem in der ersten Halbzeit. Die Fohlenelf spielte exakt so, wie sie eigentlich nach Aussage der sportlich Verantwortlichen nicht mehr spielen will. Sie spielte unproduktiven Ballbesitzball. Rückpässe, Querpässe, immer entlang der Mittellinie und damit stets weit weg vom gegnerischen Tor. Das Muster der vergangenen beiden Jahre. 61% Ballbesitz, aber nur sieben Torschüsse. Glücklicherweise war auch Augsburg noch weit von der Bestform entfernt. Dennoch hätten die Gastgeber das Spiel gewinnen müssen.

Ich werde also weiter rätseln, was meine Mannschaft in dieser Saison wirklich drauf hat. Wir haben zwar 4 Punkte, aber nüchtern betrachtet hätten es auch 0 Punkte sein können. Es scheint sich aber zu bewahrheiten, was ich schon vor drei Wochen angesprochen hatte. Eine “Systemumstellung”, so es denn wirklich eine sein soll, wird noch einige Zeit brauchen, bis sie funktioniert. Die Illusion vom Ballbesitzfußball sitzt noch zu tief in den Köpfen der Spieler.

Nach der Länderspielpause geht’s in zwei Wochen gegen Schalke 04 weiter. Eine weitere knallharte Herausforderung.