Hungerast

Das 1:1 gegen den SC Freiburg am Freitagabend im Borussia-Park war für Borussia Mönchengladbach ein Punktgewinn, kein Punktverlust. Die Breisgauer waren das bessere Team, ließen aber glücklicherweise keinen Ehrgeiz erkennen, die Partie gewinnen zu wollen. Vor der letzten Länderspielpause der Saison stehen wir in der Tabelle noch gut da. Aber ab jetzt werden wir mit jeder Niederlage nach unten durchgereicht.

Unser Höhenflug in der ersten Saisonhälfte resultierte aus einem grundsätzlich veränderten Auftreten gegenüber den Vorjahren. Mut, Risikobereitschaft, Frechheit und Selbstvertrauen – das waren die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Der Systemwechsel spielte hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Das alles ist inzwischen wie weggeblasen. Die Spieler sind wieder in das gewohnte Muster der vergangenen Jahre verfallen. Getrieben von der panischen Angst vor Fehlern und Ballverlusten, verlieren sie sich in Alibipässen. Ballbesitzfußball der brotlosesten Sorte. Kein Biss mehr, kein Siegeswillen.

Dass wir acht Spieltage vor Saisonende immer noch auf einem Champions-League-Rang stehen, grenzt an ein mittleres Wunder. Das entspricht nicht unserem tatsächlichen Leistungsvermögen, über ein ganzes Jahr betrachtet. München, Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Frankfurt, Wolfsburg, Hoffenheim und Schalke haben eine höhere Kaderqualität als Borussia Mönchengladbach. Uns sehe ich auf einer Höhe mit Hertha und Bremen. In der Theorie verorte ich uns also tabellarisch etwa auf Platz 9 bis 11.

Bis heute haben wir von dem Speckpolster gelebt, das wir uns bis zum 20. Spieltag angefressen hatten (10 Punkte Vorsprung auf Platz 5). Inzwischen hat uns das eingeholt, was im Ausdauersport “Hungerast” genannt wird: ein plötzlicher Leistungseinbruch des Körpers. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Tatsächlich wirkten die Spieler am Freitagabend ausgelaugt. Körperlich und mental. Die Schwerfälligkeit, mit der die meisten Borussen derzeit über den Rasen stapfen, wird erst dann richtig deutlich, wenn man als Kontrastprogramm eine leichtfüßige Mannschaft wie Freiburg vor Augen hat.

Manchmal gelingen unter diesen Rahmenbedingungen noch “Dreckssiege”. Am Freitag nicht. Nach den frühen Toren durch Grifo (10.) zum 0:1 und Pléa (16.) zum 1:1 entspann sich ein schlechtes Fußballspiel, das noch gruseliger war als das Wetter.

Noch acht Spiele. Um den 6. Platz zu verteidigen, brauchen wir noch 9 bis 10 Punkte. Das wird schwierig, ist aber nicht unmöglich. Meine leise Hoffnung auf die Champions League habe ich begraben. Dafür ist meine Borussia schlicht und einfach nicht gut genug.

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