Kollaps einer “Spitzenmannschaft”

von Thorsten Cöhring am 31. März 2019

Borussia Mönchengladbach wäre nicht Borussia Mönchengladbach, wenn die Fohlenelf am 27. Spieltag die Steilvorlage durch die Niederlagen von Leverkusen und Wolfsburg eiskalt verwertet hätte. Der Boden für einen “Big Point” im Hinblick auf die Europapokal-Plätze war bereitet. Doch statt acht Punkte Vorsprung auf die Ränge 6, 7 und 8 sind es weiterhin fünf.

Drama-Queen Borussia steuert zielstrebig auf ein tränenreich-tragisches Saisonende zu. Weil die Mannschaft über Monate mit oft glücklichen Siegen Erwartungen geweckt hat, auch bei mir übrigens, die sie aufgrund ihrer limitierten Qualität unmöglich erfüllen kann. Reiner Ergebnisfußball hat seine Grenzen.

Der Totalkollaps des einstigen Titelkandidaten namens Gladbach (ja, es ist noch gar nicht so lange her, als einige Fußball-Laien ernsthaft darüber fabulierten) in den vergangenen sieben Wochen, ist wahrscheinlich nachhaltiger als viele vermuten oder hoffen. Jetzt kommt mit den in der Rückrunde ungeschlagenen Bremern eine Mannschaft in den Borussia-Park, die mit Siebenmeilenstiefeln in den europäischen Wettbewerb strebt. Ich ahne Fürchterliches.

Gestern in Düsseldorf war der Drops nach einer Viertelstunde gelutscht. Fortuna führte durch Hennings (6.), Stöger (12.) und Hennings (16.) mit 3:0. Irgendwann kurz vor Schluss erzielte Zakaria noch das Ehrentor, das aber niemanden mehr ernsthaft interessierte. Sich vom kleinen Nachbarn so vorführen zu lassen, das ist wirklich bitter und sagt einiges über die Mentalität unserer Spieler aus.

Apropos Mentalität. Eine wichtige Erkenntnis aus den vergangenen Wochen: Hazard hat sich geistig längst aus Mönchengladbach verabschiedet, er ist nicht mehr bei der Sache. Der Belgier ist im Saisonendspurt keine Hilfe mehr, sein Platz sollte künftig auf der Tribüne sein.

Es ist schon irgendwie eine sonderbare Saison. Bis zum 20. Spieltag spielte Borussia oft nicht gut, aber außergewöhnlich erfolgreich. Die sechstbeste Hinrunde unserer Bundesligageschichte. Seit dem 21. Spieltag spielt Borussia rundum schlecht und erfolglos. Der Mut und das Selbstvertrauen sind wie weggeblasen. Spurlos verschwunden. Der Sport schreibt seltsame Geschichten.

Bis vor dem gestrigen Spiel war ich der Meinung, dass sich unser Absturz bis Mitte Mai noch aufhalten lässt. Dieser Ansicht bin ich heute nicht mehr. Aber lasst es uns positiv sehen: Wir werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch 2019 wieder auf einem einstelligen Tabellenplatz landen.