Hoffnung auf den Paradigmenwechsel

von Thorsten Cöhring am 3. April 2019

Spannende Woche im Borussia-Park. Am Montag teilt Sportdirektor Max Eberl Trainer Dieter Hecking die Trennung zum Saisonende mit. Am Dienstag erfährt es die Öffentlichkeit. Warum die Entlassung im Frühling nach der Vertragsverlängerung im Herbst?

Das Zentralorgan des deutschen Fußballs, der kicker, weiß die Antwort: “Eberl treibt den Radikalumbruch in Gladbach voran”. Aha! Welchen Radikalumbruch? “…Dinge, die wir neu strukturieren müssen…” – “…offenbar gravierende Veränderungen im Kader…” – “…vielleicht auch das eine oder andere Drumherum…”. Aha! Bei dieser Masse an kryptischen Äußerungen wird einem ganz schwindelig.

Fest steht wohl, dass das Düsseldorf-Desaster das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nicht nur bei mir und allen anderen Fans, sondern auch bei Max Eberl. Eine Mannschaft, die Anfang Februar fast sicher die Champions League erreicht hat und in genau diesem Moment die Saison für beendet erklärt. Wenige Schritte vor dem Ziel. Völlig abstrus. Arbeitsverweigerung, anders kann man die meisten Auftritte der vergangenen Wochen nicht nennen.

Fest steht wohl, dass der neue Trainer Marco Rose heißen wird. Prickelnd-frisch direkt aus der Zentrale des Brausesatans in Salzburg. Im Gegensatz zu vielen anderen halte ich diese Entscheidung für gut und richtig. Und das nicht nur wegen seines Spielstils, den der kicker folgendermaßen beschreibt: “Es ist eine Mischung aus Pressing und Positionsspiel, die Salzburg ausmacht, das Team spielt mutig, effektiv und attraktiv. Das blitzschnelle Umschalten nach Balleroberung, die hohe Intensität und das teilweise extrem aggressive Attackieren des Gegners…”.

Ja, das klingt gut. Ich liebe mutigen Fußball. Allerdings brauchst du, um so zu spielen, auch die passenden Spieler. Und da habe ich meine Zweifel, ob du das ängstliche Sicherheitsdenken aus den Köpfen des vorhandenen Personals rauskriegst. Aber ich lasse mich überraschen. Am liebsten positiv.

Der nächste Schritt in der Entwicklung wäre zu sagen: “Nein, ein einstelliger Tabellenplatz als Ziel reicht uns künftig nicht. Wir wollen mehr!” Wenn diese erste April-Woche 2019 einen Paradigmenwechsel im gesamten Club eingeleitet hat, dann war es eine gute Woche.