Kampf gegen das “Wolfsberg-Syndrom”

Borussia Mönchengladbach spielte gestern gegen Fortuna Düsseldorf über weite Strecken wie eine Mannschaft, die ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten hat: völlig verunsichert, ängstlich, gestresst, schreckhaft, saft- und kraftlos. Die erste Viertelstunde wirkte wie ein Flashback. Das “Wolfsberg-Syndrom” hat seine Spuren hinterlassen. Nicht nur bei mir, sondern auch bei den Spielern. ABER, und das ist die positive Erkenntnis dieses Nachmittags: Meine Mannschaft wehrte sich die Krankheits-Symptome.

Und sie wehrte sich nicht nur, sondern sie erarbeitete sich am Ende sogar ein Erfolgserlebnis, mit dem niemand mehr gerechnet hatte. Düsseldorf ging früh durch Adams (6.) 0:1 in Führung und wir müssen unserem rheinischen Nachbarn mehr als dankbar sein, dass er uns, im Gegensatz zu Wolfsberg, am Leben ließ (11. Kownacki, 12. Bodzek). Was ich meiner Mannschaft zu Gute halten muss: Sie hatte, je länger das Spiel dauerte, trotz aller fußballerischen und mentalen Mängel den festen Willen, dieses Match zu gewinnen.

Es sah indes lange nicht danach aus, schon gar, nachdem Herrmann (54., 62.) zwei Hundertprozentige ausgelassen hatte. Aber manchmal zieht dann der Zufall geschickt seine Fäden. Coach Rose wechselte Thuram für Plea ein und eben dieser Thuram sorgte schließlich für den 2:1-Sieg. Zunächst wuchtete er eine flache Hereingabe von Lainer ins Netz (74.) und in der 87. Minute drückte er nach einem irrwitzigen Pingpong im Düsseldorfer Fünfmeterraum die Kugel über die Linie. Wobei ich zum ersten Mal in meinem Leben glücklich darüber war, dass es den Videobeweis gibt…

“In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft alles rausgehauen: viel Wille, viel Moral, viel Einsatz”, sagte Max Eberl (via kicker.de) nach dem Match. Ja, das stimmt. Und es stimmt mich etwas versöhnlich. Aber ich bin mir alles andere als sicher, dass wir damit aus dem Gröbsten raus sind. Die Mannschaft muss sich das Vertrauen hart und bedingungslos zurück erarbeiten. Mir schwant, dass sich diese Saison zu einer schwindelerregenden Achterbahnfahrt entwickeln wird. Mal wieder, möchte man hinzufügen.

Apropos Achterbahn: Zwischen dem 7. April 2018 und dem 26. Januar 2019 haben wir 12 Heimspiele hintereinander gewonnen. Unmittelbar danach, vom 9. Februar 2019 bis gestern, haben wir 11 Heimspiele hintereinander (incl. Europacup) nicht gewonnen. Um kirre im Kopf zu werden, musst du noch nicht einmal in die Black Mamba im Phantasialand steigen. Ein Besuch im Borussia-Park reicht völlig aus.