Bildhübsche Passantin

Was für eine Woche! Dem feinen Auswärtssieg in Hoffenheim folgte eine (wieder einmal) blutleere Vorstellung im Europapokal. Und den Abschluss bildete gestern ein fulminanter 5:1-Heimsieg über den FC Augsburg, der uns drei Punkte, die Tabellenführung und vier Verletzte einbrachte.

Nach dem imponierenden 3:0 in Hoffenheim durch Plea (43.), Thuram (65.) und Neuhaus (83.) hatte ich gehofft, dass die Fohlenelf diesen Schwung mitnimmt in die Europa League. Aber: Pustekuchen! Der Auftritt in Istanbul gegen Basaksehir am Donnerstag war “Wolfsberg, Teil 2”. Grauenvoll. Lustlos und uninspiriert. Wir hätten das Spiel klar verlieren müssen, nahmen aber dank Herrmanns eher zufällig erzielten 1:1-Ausgleich in der 91. Minute tatsächlich noch einen gänzlich unverdienten Punkt mit.

Dieses Spiel wiederum ließ mich wenig hoffnungsvoll auf die Partie gestern gegen Augsburg blicken. Zumal die Fuggerstädter nicht gerade unser Lieblingsgegner sind. Doch es folgte der nächste Kulturschock. Diesmal positiver Art. 3:0 nach einer knappen Viertelstunde durch Zakaria (2.), und zwei Mal Herrmann (8. und 13.). Ein Angriff schöner als der andere. Nach einer halben Stunde hätte es 6:0 stehen müssen. Eine Slapstick-Einlage von Gästekeeper Koubek nutzte Plea (39.) zum 4:0. Nach dem Gegentor durch Niederlechner (81.) stellte Embolo (83.) den 5:1-Endstand her.

Leider wurde die wohlige Stimmung an diesem wunderschönen Nachmittag, an dem es aus dem Himmel wie aus Kübeln schüttete, beträchtlich getrübt. Zwei unserer Besten, Ginter (Schulter ausgekugelt) und Lainer (umgeknickt im linken Fußgelenk), werden vermutlich mehrere Wochen ausfallen; die ebenfalls lädierten Benes und Plea hoffentlich nicht ganz so lange.

Wir sind also Tabellenführer. Eine nette Momentaufnahme, mehr nicht. Wenngleich die brennende niederrheinische Fußballseele nun erfahrungsgemäß schwankt zwischen “Wir sind quasi Meister, die restlichen 27 Spiele sind nur noch Formsache” und “Wir lehnen uns gemütlich im Schaukelstuhl zurück und gucken mal, was noch so kommt”. Ein durchaus pointierter Hinweis auf die beiden größten Feinde des Erfolgs: Überheblichkeit und Selbstzufriedenheit. Alles schon zig Mal erlebt. Es bleibt die Hoffnung, dass diesmal alles anders (= besser) wird.

Dank der Länderspielpause dürfen wir uns die bildhübsche Passantin namens Bundesligatabelle nach dem 7. Spieltag der Saison 2019/20 nicht nur eine Woche pausenlos ansehen, sondern sogar zwei. Und selbst wenn wir uns in 14 Tagen in Dortmund unsere obligatorische Klatsche abholen, sind wir immer noch vor dem BVB. Lustig!

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