Der Wandel wird erlebbar

Nicht immer, aber immer öfter wird sichtbar, spürbar und erlebbar, dass sich bei Borussia Mönchengladbach etwas verändert. Die Fohlenelf ist auf dem Weg zu modernem, attraktivem Fußball. Dieser Weg ist noch gelegentlich arg holprig und steinig, aber vielleicht geht er bald über in eine Autobahn. Das wäre der Idealfall. Leider lehrt das Leben, dass es oft erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Aber reden wir nicht über die Zukunft, sondern über die Gegenwart.

Dass es noch viel zu tun gibt, haben auch die drei Spiele in der zurückliegenden Woche wieder gezeigt. Okay, in Dortmund verlieren wir immer, ganz egal, wie gut oder schlecht wir spielen. Gefühlt haben wir dort seit 100 Jahren nicht mehr gewonnen. Daran wird sich vermutlich auch am Mittwoch im DFB-Pokal nichts ändern. Von diesem Wettbewerb können wir uns also geistig schon mal langsam verabschieden.

Demgegenüber haben wir der Europa League noch nicht einmal “Guten Tag” gesagt. Den beiden grausam schlechten Auftritten gegen Wolfsberg und in Istanbul folgte am Donnerstag ein leicht verbesserter Auftritt in Rom, der zudem noch in einen gänzlich unverdienten Punktgewinn mündete. Entschuldigung, aber der Elfmeter, den Stindl in der 95. Minute verwandelte, war schlichtweg ein Witz. Borussia scheint mit dem Europacup zu fremdeln. Ich mag nicht mehr so recht daran glauben, dass wir die Vorrunde überstehen.

Das gestrige 4:2 über Eintracht Frankfurt war zwar ein großartiges, mitreißendes Fußballspiel, aber nur deshalb, weil zwei absolut gleichwertige Mannschaften aufeinandertrafen, von denen wir nur in der ersten Halbzeit die bessere waren. Wir führten durch Thuram (28.) und Wendt (45.) zur Pause mit 2:0, kassierten durch da Costa (59.) das 2:1 und hatten danach mehrfach unglaublich viel Glück, weil Frankfurt insbesondere durch den starken Kamada eine Fülle an klaren Chancen vergab. Per Kopf nach Standard erhöhte Elvedi auf 3:1 (75.), per Kopf nach Standard verkürzte Hinteregger auf 3:2 (79.) und nach einem schönen Konter stellte Zakaria (85.) den 4:2-Endstand her.

Leider hat uns wieder der niederrheinische Verletzungsvirus erwischt, der vorzugsweise im Oktober und November auftritt. Pro Spiel zwei Verletzte, und das jetzt schon seit Jahren – irgendetwas klemmt da ganz gewaltig. Ich wünschte, ich könnte mich in dieser Frage der Mehrheitsmeinung meiner Fan-Community (“Pech”) anschließen. So häufig und regelmäßig auftretende Zufälle machen mich stutzig.

Wir werden sehen, wie lange wir uns mit diesen vielen Ausfällen von Stammspielern in der Spitzengruppe halten können. Aber der Tabellenplatz ist ohnehin erst am 34. Spieltag relevant. Vor Saisonbeginn hatte ich bis Weihnachten auf 25 Punkte gehofft. Das erscheint realistisch. Die Umbruchphase, durch den Wandel der Spielidee, ist bislang ohne Einbruchphase geblieben. Es wäre klasse, wenn es so bliebe.

Zum Schluss noch ein kurzer Beitrag zur Personaldiskussion. Momentan reden fast alle von der großartigen Entwicklung von Denis Zakaria. Das ist ohne Zweifel richtig und überaus erfreulich. Er ist ein Riesentalent. Aber das gilt nicht minder für Laszlo Benes, dessen Entwicklung für mich geradezu sensationell ist. Benes ist das passende Gegenstück zum schnellen und dynamischen Zakaria: Ein begnadeter Ballverteiler, technisch stark, handlungsschnell und passsicher.

Jetzt ist mir auch klar, weshalb Cuisance Hals über Kopf aus Mönchengladbach geflüchtet ist. Er hätte auf seiner Position gegen Benes in dieser Saison nicht den Hauch einer Chance gehabt.

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