Vor dem Lackmustest

In der vergangenen Saison habe ich in diesem Blog oft bemängelt, dass die Spiele von Borussia Mönchengladbach langweilig und einschläfernd seien. Dieses Urteil kann ich nicht mehr aufrechterhalten. Gestern Nachmittag ertappte ich mich bei dem Gedanken: “Mensch, so kann ich als Zuschauer nicht arbeiten, wenn alle drei Minuten einer alleine vorm Tor steht.”

Nein, langweilig ist es im Borussia-Park gegenwärtig wirklich nicht. Der gestrige 4:2-Sieg über den SC Freiburg fällt sogar in die Kategorie “äußerst aufregend”. 50%:50% Ballbesitz und 23:12 Torschüsse zählte der kicker. Beeindruckend. Von beiden Mannschaften.

Wer während des Spiels Bier holen geht, hat neuerdings schlechte Karten: 3. 1:0 Thuram, 21. Embolo Abseitstor, 25. Thuram Pfostenschuss, 30. Herrmann scheitert freistehend, 34. Herrmann schießt vorbei, 46. Herrmann auf Embolo – 2:0, 49. Embolo verschießt Foulelfmeter, 51. Embolo auf Herrmann – 3:1, 71. Embolo erobert den Ball, wird von Neuhaus bedient – 4:2. Zwischendurch Tore der überaus munteren Freiburger nach Standardsituationen durch Schmid (6.) und Höler (58.). Von solch einem Offensiv-Feuerwerk habe ich jahrelang nicht zu träumen gewagt.

Und das drei Tage nach dem (mal wieder) sehr glücklichen Europa-League-Sieg in Wolfsberg durch Stindls “goldenes Tor” (60.), das uns ein K.o.-Spiel um den Einzug ins Sechzehntelfinale gegen Basaksehir am 12. Dezember beschert.

20 unserer 28 Bundesligatore haben Stürmer erzielt (Thuram 6, Embolo 5, Herrmann 5, Plea 4). Ich kann kaum in Worte fassen, in welchem Maße allein diese Tatsache mein Herz höherschlagen lässt, nachdem wir viele Jahre lang überhaupt keinen startelftauglichen echten Stürmer im Kader hatten. Thuram und Embolo spielen zu sehen, grenzt fast schon an ein Naturereignis.

Wir sind jetzt seit acht Wochen Tabellenführer der Bundesliga. Sieben Spieltage lang. Am Samstag kommt es nun zum ultimativen Lackmustest. Bayern München gastiert im Borussia-Park. Wie ist unsere Situation wirklich einzuschätzen? Begeisterung gegen Abgezocktheit – wer wird die Oberhand behalten? Bislang haben wir alle drei Saisonspiele gegen die Titelaspiranten (Leipzig und zweimal Dortmund) verloren. Und nach der jüngsten Heimniederlage der mächtigen Bayern stehen die Zeichen nicht gerade auf Sieg für uns. Aber ich lasse mich gern positiv überraschen… 😉

Vor einem Jahr hatten wir zu Weihnachten 33 Punkte. Es wäre schön, wenn wir das wiederholen könnten, allerdings ist das nach meiner Einschätzung, angesichts des Restprogramms, eher unwahrscheinlich. Gleichwohl sind mehr als 30 Punkte “drin” und meine im Sommer erhofften 25 Punkte sind ohnehin schon übertroffen.

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