Was zu erwarten war

Diesseits aller Selbstüberschätzung sind wir mit einer 0:2-Niederlage in Gelsenkirchen in die Rückrunde gestartet. Um ehrlich zu sein: Ich hatte nichts anderes erwartet. Es wäre schon seltsam, wenn die Schalker am Ende nicht vor uns rangieren würden. Gleiches gilt übrigens auch für Leverkusen.

Dass Borussia Mönchengladbach in der Rückrunde tabellarisch nach unten durchgereicht werden wird, das sollte niemanden wirklich überraschen. Die Frage ist nur: Wie schnell wird es gehen und wie weit führt der Weg nach unten? Nach meiner Einschätzung werden wir um die Plätze 6 bis 9 spielen, was in dieser Umbruchsaison für uns schon ein großer Erfolg ist.

Ja, du kannst Träume haben. Du solltest sogar Träume haben. Darüber ich bereits geschrieben. Aber du solltest nicht ständig über diese Träume öffentlich reden. Und wenn du schlussendlich diese Träume als realistisches Ziel ausgibst, dann hast du verloren, weil du den Bezug zur Realität verloren hast, weil sich Traum und Wirklichkeit diffus miteinander vermischen.

Wer Träume verwirklichen will, muss im ersten Schritt sein Denken verändern. Wenn wir Titel gewinnen oder dauerhaft um die Champions League mitspielen wollen, müssen wir groß denken. Wir müssen uns beispielsweise Borussia Dortmund zum Vorbild nehmen. Erfolg ist strategisch planbar, basierend auf organischem Wachstum. Alles andere ist Zufall. Oder abhängig von Investoren und Mäzenen.

Wenn Einigkeit über den ersten Schritt besteht, geht es im zweiten Schritt darum, sich realistische Etappenziele setzen. Das erste realistische Etappenziel für die Fohlenelf lautet in dieser Saison: Obere Tabellenhälfte, sicherer Abstand zur Abstiegszone. Das sollte problemlos hinhauen.

Also, nicht aufregen über die Tatsache, dass wir am Ende vermutlich dort landen werden, wo wir angesichts unserer Kader-Qualität hingehören. Rekapitulieren wir das Spiel gestern: Wenn du die paar zaghaften Offensivaktionen bei der 0:2-Niederlage außer Acht lässt, dann hatten wir in diesem Spiel nichts zu melden. Gar nichts. Weder in der Zweikampfführung noch in der spielerischen Qualität oder in puncto Siegeswillen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison übrigens.

Lasst uns alle zusammen versuchen, weiterhin die Spiele zu gewinnen, die wir gewinnen können. Die beiden Heimspiele gegen Mainz und Köln werden Aufschluss darüber geben, ob wir uns noch eine Weile in der Nähe der Spitzenränge aufhalten können.

Ich bin weiterhin sehr zuversichtlich, was die Rückrunde angeht. Denn ich freue mich über jeden kleinen Schritt nach vorn in Sachen Spielkultur. Step-by-step. Ohne überzogene Erwartungshaltung. Marco Rose wird’s schon richten…

Ach ja:

Frohes Neues Jahr allerseits!