Unverhoffter Punkt

Seit wir nicht mehr das “Kaufhaus des Westens” sind und in der Winterpause personell nachlegen müssen, um dem drohenden Abstieg zu entgehen, kommt mir die fiebrige Transferhektik zur Saisonhalbzeit noch wahnsinniger vor als jemals zuvor.

Okay, die neureichen Herthaner aus Berlin sind verzweifelt, weil sie nicht mehr wissen, wohin mit ihrer vielen Kohle. Das ist natürlich ein Riesenproblem. Aber selbst Titelanwärter wie Dortmund und Leipzig verfallen dem neumodischen Winterkaufrausch, obwohl sie das gar nicht nötig haben. Beide Mannschaften waren auch vor Olmo, Angelino, Haaland und Can schon gut genug, um Meister zu werden.

Zugegeben, Leipzig war gestern beim 2:2 gegen uns nicht in Bestform, besonders in der ersten Halbzeit. Das kann schon mal passieren, hat aber nichts mit der grundsätzlichen Qualität des Kaders zu tun. Immerhin ermöglichte uns diese Konstellation, dank einer über weite Strecken guten Vorstellung einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Ein Zähler, den ich definitiv nicht auf der Rechnung hatte.

Möglich waren auch drei. Dazu hätte es allerdings einer Qualität bedurft, die wir bekanntermaßen nicht haben: des Killer-Instinkts. Wir führten durch Plea (24.) und Hofmann (35.) mit 0:2. Und eine echte Spitzenmannschaft hätte irgendwann den Punch zum Knockout des Gegners ausgepackt. Das können wir nicht, deshalb kam es, wie es kommen musste. Schick (50.) markierte das 1:2 und Nkunku (89.) glich aus.

Wobei es zu billig ist, den späten Ausgleich zum 2:2 auf die indiskutable Schiedsrichterleistung zu reduzieren. Klar, die Gelb-Rote Karte gegen Plea (61.) war ein Witz, aber sie war aus meiner Sicht nicht spielentscheidend. Gleichwohl bleibt die Frage, weshalb so ein Topspiel von Tobias Stieler geleitet wird. Er ist bekanntermaßen seit vielen Jahren der mit Abstand schlechteste Schiedsrichter der Bundesliga. Weshalb er überhaupt noch Spiele in der höchsten deutschen Spielklasse pfeifen darf, ist mir ein Rätsel.

Damit ist Plea ärgerlicherweise für das Derby gegen Köln am Sonntag gesperrt. Andererseits ist es für Embolo die große Chance zu zeigen, dass er in die Mannschaft gehört. Mal sehen, ob es uns weiterhin gelingt, die Spiele zu gewinnen, die wir gewinnen müssen. Es wäre überaus wünschenswert.

Vor einem Jahr hatten wir zu diesem Zeitpunkt 42 Punkte und zehn Punkte Vorsprung auf Platz 5. Aus den restlichen 14 Partien haben wir anschließend nur noch 13 Punkte geholt. Heute haben wir 39 Punkte und fünf Punkte Vorsprung auf Platz 5. Bin gespannt, wie lange wir den 4. Platz noch verteidigen können. Es ist verdammt eng, auch im Kampf um Platz 6. Es wäre schön, wenn sich Geschichte nicht wiederholt.