Ein Quartett, das Freude macht

von Thorsten Cöhring am 5. November 2018

Was ist passiert in den vergangenen zwei Wochen? Zwei immens wichtige Heimsiege gegen Mainz und Düsseldorf, die obligatorische Niederlage in Freiburg und eine demütigende Pokal-Klatsche gegen Leverkusen. Macht in der Summe: 20 Punkte aus 10 Spielen in der Bundesliga und das Aus im DFB-Pokal. Alles im “grünen Bereich”.

Dem feinen 4:0 über Mainz 05, mit teils wunderschön herausgespielten Treffern von dreimal Hofmann (21., 53., 63.) und Hazard (58.), folgte die höchst unfeine 1:3-Niederlage beim SC Freiburg, wo es nach ganz schwacher Vorstellung nur zu einem Elfmetertor durch Hazard (20.) reichte. Als Bayern München in den 70er Jahren stets in Kaiserslautern verlor, forderte Paul Breitner seinerzeit resigniert: “Am besten fahren wir gar nicht mehr hin, sondern schicken die Punkte gleich mit der Post.” So ähnlich ergeht es Borussia Mönchengladbach mit Freiburg. Was sollen wir da im Breisgau? Wir verlieren ohnehin immer. Wahrscheinlich steht das irgendwo in der Bibel. Oder im Grundgesetz. Keine Ahnung. Zumindest spüre ich, dass ich das als Naturgesetz akzeptiert habe.

Thema Pokal. Wer hier gelegentlich liest, der weiß, dass ich zum DFB-Pokal keine Beziehung habe. Er ist mir egal, ebenso wie meinem Verein und meiner Mannschaft. Es ist zwar der einzige Wettbewerb, in dem wir theoretisch einen Titel holen könnten, aber die Mannschaft ist nicht in der Lage, Pokalspiele als Highlight zu identifizieren, sich darauf zu konzentrieren und an diesen Tagen das Optimum aus sich herauszuholen. Das muss man als Fan einfach so hinnehmen. Also geht mir der Wettbewerb am Allerwertesten vorbei.

Zugegeben: Man muss nicht in einem Heimspiel vor fast vollem Haus mit 0:5 verlieren. Das ist einfach nur peinlich. Aber die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass wir in jeder Saison etwa zwei bis drei üble Klatschen kriegen. Und da ist mir eine im Pokal deutlich lieber als eine in der Bundesliga. Denn der Effekt ist bei einem 0:5 der gleiche wie bei einem 4:5 nach Elfmeterschießen – du bist draußen. Kurz vor Weihnachten werden wir in Dortmund vermutlich wieder ein rundes halbes Dutzend eingeschenkt bekommen – und dann haben wir das Klatschen-Soll hoffentlich erfüllt für diese Spielzeit.

Kommen wir zum gestrigen Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger aus der Nachbarschaft ist fürwahr keine Mannschaft, die einen in Angst und Schrecken versetzt. Wenn sie so weiterspielen wie gestern, werden sie ziemlich sicher wieder absteigen. Dennoch fand Borussia, mit dem zentnerschweren Ballast des 0:5 vom Mittwoch auf dem Rücken, lange Zeit kein Mittel gegen die elf biederen Fortunen. Zur Halbzeit drängte sich der Eindruck auf: Wir können noch drei Tage spielen ohne ein Tor zu machen.

In solchen Fällen brauchst du tatsächlich auch mal eine Portion Glück. Als Pléa kurz nach Halbzeit dem Düsseldorfer Spieler Ayhan aus kurzer Distanz an den Unterarm schoss, gab es Elfmeter. Einen dieser typischen Witz-Handelfmeter, wie sie mittlerweile dutzendfach gepfiffen werden. Völlig abstrus. Da solche Elfmeter aber gewöhnlich nur GEGEN uns verhängt werden, werde ich den Teufel tun und mich jetzt darüber beklagen, dass wir davon ausnahmsweise mal profitierten. Gut. Glück, Teile 2 bis 4: Keeper Rensing hatte Hazards Elfmeterschuss schon so gut wie gehalten, ehe er dennoch ins Netz flutschte (48.). Ein Düsseldorfer Fehlpass im Aufbau führte zum 2:0 durch Hofmann (67.) und ein abgefälschter Schuss von Hazard zum 3:0-Endstand (82.). Manchmal brauchst du im Fußball solche Dreckstore wie die Luft zum Atmen.

Unter den “Top 13” der Bundesliga-Scorer sind mittlerweile vier Borussen. Thorgan Hazard mit 7 Toren und 3 Vorlagen, Jonas Hofmann und Alassane Pléa (beide 5+3) und, überaus erfreulich, Florian Neuhaus mit 6 Torvorbereitungen, was momentan Bundesliga-Höchstwert entspricht. Und genau dieses Quartett ist es auch, was mich dieser Tage am meisten verblüfft und erfreut. MIT Pléa im Angriff ist Borussia eine halbe Klasse besser als OHNE Pléa. Hazard hat einen erheblichen Entwicklungssprung gemacht, insbesondere was sein Defensiv- und Zweikampfverhalten angeht. Neuhaus fehlt es im Sprint etwas an Grundschnelligkeit, aber er kann Spielsituationen erstaunlich präzise antizipieren und trifft fast immer die richtigen Entscheidungen.

Tja. Und dann ist da noch Jonas Hofmann. Zwei Jahre lang habe ich mich gefragt, weshalb wir ihn überhaupt geholt haben. Dritte Wahl auf der Außenbahn. Und dann plötzlich diese Leistungsexplosion im zentralen Mittelfeld. Er ist für mich eindeutig bislang die positivste Überraschung der Saison. Wenn er beispielsweise in hohem Tempo den ballführenden Gegner anläuft, dann wirst du auf deinem Sitz plötzlich kerzengerade. Dann bahnt sich was an. Und nebenbei knipst er jetzt auch noch. Hofmann spielt nicht IMMER gut, aber immer ÖFTER. Und das sollte auch dem Bundestrainer nicht entgehen…

Vor der nächsten Länderspielpause steht jetzt noch das Auswärtsspiel in Bremen auf dem Programm. Werder ist nach zwei Pleiten mächtig unter Druck. Eine Niederlage für Borussia wäre keine Überraschung. Sie wäre jedoch zu verschmerzen. Denn so gut, wie es der 2. Tabellenplatz aussagt, sind wir bei weitem nicht. Das ist hoffentlich jedem klar.