Was meine Mannschaft wirklich kann

Am Donnerstag klingelte der Postzusteller meines Vertrauens, seines Zeichens Eintracht-Frankfurt-Fan, an der Haustür und drückte mir ein Päckchen in die Hand. Beim Gehen fragte er mich beiläufig über die Schulter: “Und? Schon nervös?” Lange nachdenken musste ich über die Antwort nicht: “Ja, ziemlich. Ich weiß nicht, was meine Mannschaft wirklich kann.”

Um ehrlich zu sein: Wesentlich schlauer bin ich nach dem torlosen Saisonauftakt gegen Schalke gestern Abend im Borussia-Park auch nicht. Es war ein physisch intensives, aber spielerisch über weite Strecken eher armseliges Spiel. Ziemlich langweilige 90 Minuten. Arm an Höhepunkten und noch ärmer an Strafraumszenen. Wir hätten vielleicht gewinnen können, aber wer solche Chancen nicht nutzt wie Plea in der 54. Minute, der hat den Sieg am Ende des Tages auch nicht verdient.

Es wurde verdammt viel geredet in diesem Sommer. Über den neuen Trainer, über die neuen Spieler und über das neue Spielsystem. Ja, wir brauchen eine neue Spielidee. Dringend. Ich plädiere für diesen Paradigmenwechsel (endlich weg vom brotlosen Ballbesitzfußball) hier schon seit mindestens drei Jahren vehement. Aber die Umsetzung braucht Zeit, denn momentan fehlen uns die Spieler dafür. Vielleicht sind wir in zwei, drei Jahren einen Schritt weiter. Bis dahin gilt es mit aller Kraft, den Schaden in Grenzen zu halten. Sprich: Das Minimalziel zu erreichen, und das heißt Klassenerhalt.

Nach wie vor fehlt es dem Team an Schnelligkeit und das groß propagierte Pressing ist bisher nur ein Pseudo-Pressing, denn es bereitet dem Gegner selten Schwierigkeiten, die anlaufenden Spieler auszukombinieren. Ich bin gespannt, wohin in dieser Saison die Reise geht. Und ob alle durch die Rose-Verpflichtung Euphorisierten bereit sind, die am Horizont auftauchenden Täler mit zu durchschreiten.

Bislang habe ich in diesem Sommer noch keine gute Leistung gesehen. Beim Härtetest gegen Chelsea (2:2) konnte einem phasenweise angst und bange werden. Aber das Ergebnis spielt in Tests keine Rolle. Beim Pokalspiel in Sandhausen (1:0) konnte einem ebenfalls angst und bange werden. Aber die Leistung spielt im Pokal keine Rolle.

Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass wir uns nach der langfristigen Verletzung von Hofmann und dem Verkauf von Cuisance in große Schwierigkeiten bringen, wenn wir für das zentrale Mittelfeld keinen neuen Spieler mehr holen. Bis kurz vor Weihnachten haben wir noch 23 Pflichtspiele in Meisterschaft, Pokal und Europa League. Statistisch gesehen alle 5 Tage ein Match. Da wächst das Lazarett der Verletzten erfahrungsgemäß schnell wieder auf ein Dutzend Spieler an.

Abschließend noch eine Anmerkung zu meinem Ex-Lieblingsspieler Mickael Cuisance.

Wenn ich nicht willens oder gut genug bin (oder beides), um mir bei Borussia Mönchengladbach einen Stammplatz zu erkämpfen, dann wechsele ich zu Bayern München?

Interessante Logik.

Unzählige große Fußballtalente sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte an sich selbst gescheitert. Weil der Kopf deutlich weniger talentiert war als die Füße. Es würde mich nicht verwundern, wenn Cuisance auch dazu zählt.

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